Wandertag 2025 (Geschichte)
Auch die Fachschaft Geschichte profitierte von den Möglichkeiten des Wandertages.
Im Zuge des Wandertages begab sich unsere Klasse, die 10b, gemeinsam mit unserer Klassenleitung und Geschichtslehrerin, Frau Fischer, nach Derendorf. Genauer gesagt auf den Campus der Hochschule Düsseldorf, vor die Bibliothek. Wo heute der moderne Campus der Hochschule steht, befand sich von den 1890er Jahren bis 2002 der städtische Düsseldorfer Schlachthof. Dieser lag verkehrsgünstig, nämlich außerhalb der Stadt, hatte aber dennoch einen Gleisanschluss
Heute stehen von dem damaligen Schlachthof nur noch die Pferdeversorgungsstation und die Großviehmarkthalle.
Die Großviehmarkthalle wurde umfunktioniert in die heutige Hochschulbibliothek. Heutzutage wurde dort ein Erinnerungsort eingerichtet (Alter Schlachthof), um der jüdischen Opfer des NS-Regimes zu gedenken. Aus diesem Grund machen wir als Klasse der Stufe 10 unseren Wandertag an diesen Erinnerungsort.
In der zehnten Klasse behandeln wir im Geschichtsunterricht das Thema des Nationalsozialismuses, sowie alles rund um die Auswirkungen dieser Zeit auf unser Leben in Deutschland heute sehr intensiv. Dabei analysieren wir nicht nur stumpf Quellen und schauen uns die Kriegsführung an. Viel mehr wird darauf gesetzt, uns als Jugend für die Opfer und das Thema der NS-Zeit zu sensibilisieren. Wir schauen uns an, wie Minderheiten, wie die europäischen Juden von den Nationalsozialisten in den Jahren 1933-1945 verfolgt, unterdrückt, gedemütigt, gefoltert und auch massenhaft ermordet wurden. Wir halten Referate über das Leben zu dieser Zeit, erstellen Instagram-Posts an Tagen wie dem Gedenktag der Befreiung von Auschwitz und beschäftigen uns ausführlich mit den Folgen dieser Zeit, die leider auch heute noch spürbar sind.
Diese tiefe Auseinandersetzung mit dem Thema des Dritten Reiches schlägt somit den Bogen zu unserem Wandertag. Denn die ehemalige Großviehmarkthalle wurde im zweiten Weltkrieg nicht nur als jene genutzt. Fast 6.000 jüdische Männer aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf wurden hier registriert, ausgeraubt und mussten eine Nacht in der Großviehmarkthalle verbringen, ohne zu wissen, was sie am nächsten Morgen erwartet. Vom nahegelegenen Derendorfer Güterbahnhof wurden sie in Ghettos im besetzen Osteuropa deportiert, die meist nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in weitere Vernichtungs- und Konzentrationslager waren.
Durch den Erinnerungsort führte uns Eva Grütgen, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Düsseldorf beziehungsweise der Erinnerungsstätte Alter Schlachthof.
Sie erklärte uns einzelne Schicksale der Menschen, die von hier aus deportiert wurden. Die Wände des Erinnerungsortes sind tapeziert mit Fotos und Zitaten der damaligen Opfer. Worte, die unter die Haut gingen und direkt im Herzen ankamen.
Eine Geschichte ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Eva zeigte auf ein Bild an der Wand. Auf dem Bild war ein kleines Mädchen namens Leni Valk zu sehen. Leni wurde 1933, in Gogh, als Kind jüdischer Eltern geboren. Da ihre Eltern aber früh merkten, dass sich die Lage in Deutschland immer mehr zuspitzte, beschloss die Mutter, Leni zu ihrem Onkel nach Leeuwarden zu schicken. Ein Freund brachte sie über die Grenze in die Niederlande. Dort kaufte er Leni (5 Jahre) ein Schild, auf dem stand: „Bitte helft dem Kind: Zielort Leeuwarden“. Leni kommt bei ihrem Onkel an und lebt ein weitgehend normales Leben. Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutschen musste sie einen Judenstern tragen. Am 05.10.1942 wurde Leni im Alter von neun Jahren gemeinsam mit ihrer Tante und ihrem Cousin in das niederländische Durchgangslager Westerbork gebracht. Am 18. Mai 1943 wurde Leni gemeinsam mit ihrem Onkel und ihrer Tante in das Vernichtungslager Sobibor (Polen) deportiert. Am Tag der Ankunft, am 21. Mai 1943 wurden Leni und ihre Verwandten vergast.
Dieses Schicksal zeigt, wie skrupellos die Nationalsozialisten ihre Ideologie durchsetzten. Es ist ein perfektes Beispiel für das Leid was den Menschen zu Zeiten des NS-Regimes zugefügt wurde. Deshalb ist es so unfassbar wichtig, dass wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen. Dass wir lernen und lehren, was war. Vor allem in der heutigen Zeit, geprägt von Rassismus und Hass sowie den Ergebnissen der Bundestagswahlen ist es von großer Bedeutung, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Es ist nutzlos, so zu tun als wäre nie etwas gewesen.
Denn wer seine Geschichte nicht kennt, der wiederholt die Fehler der Vergangenheit nur.
Ajla (10B)